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Auf den Spuren von Otto von Guericke

Auf den Spuren von Otto von Guericke

Jeder hat es sicher schon einmal gesehen: Das berühmte Bild aus dem 17. Jahrhundert, auf dem sechzehn Pferde vor einem staunenden Publikum dazu angetrieben werden, von zwei Seiten die Hälften einer großen Kugel voneinander zu trennen. Im Vordergrund der Initiator des skurrilen Spektakels, das tatsächlich als eines der spektakulärsten physikalischen Experimente in die Geschichte einging: Der Magdeburger Wissenschaftler und Bürgermeister Otto von Guericke.

Bewiesen hat er mit seinen Magdeburger Halbkugeln die Macht des Luftdrucks und die Existenz des Vakuums, beides Themen, die im Physikunterricht der Klasse 8 eine zentrale Rolle spielen. Unter diesem Schwerpunkt fanden im November und Januar Exkursionen zum Labor des genialen Experimentators in der Lukasklause am Magdeburger Elbufer statt. Otto regierte dort als Bürgermeister der durch den 30-jährigen Krieg heftig gebeutelten Stadt und verschrieb sich außerdem der Erforschung des Wetters und des Vakuums. In seinen Räume hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, historische Instrumente nicht nur zu besichtigen sondern auch selbst zu bedienen, um einmal am eigenen Leib zu erfahren, welchen Kraftaufwand es bedeutet, alte Luftpumpen zu bedienen oder mit antiken Feuerlöschern zu hantieren. Sie konnten mit dem „Wettermännchen“ das erste Barometer bestaunen, das zu Ottos wichtigsten Erfindungen zählt und einen Blick in sein Büro werfen. Dieser ließ so manch einen große Augen machen, denn inmitten alter Bücher, Globen und Messinstrumente steht dort das eindrucksvolle Skelett eines Einhorns mit Fischschwanz. Moment mal – Ein seriöser und angesehener Wissenschaftler glaubt an Fabelwesen? Die Geschichte dieses Fundes geht auf die Erforschung der Einhornhöhle im Harz zurück. Otto und sein Gelehrtenkollege Wilhelm von Leibnitz waren selbst dort und bekamen die Aufgabe, aus einer Vielzahl prähistorischer Knochenfunde (heute weiß man, dass es sich um Teile von Höhlenbär und Wollnashorn handelt) etwas sinnvolles zusammenzusetzen. Nachdem die Gestalt des Nixen-Pferdes fertig war, bleib ein langer, gewundener, spitzer Knochen übrig – Zweifellos das Horn. Auch dieses ist mittlerweile als Narwalstoßzahn identifiziert, denn unser Land war einmal vom Meer bedeckt.

Nach der historischen Führung durften die Gruppen im modernen Schülerlabor selbst aktiv werden. In einem Zirkel von mehreren Experimenten konnten sie unter anderem untersuchen, wieviel Gewicht ein Saugnapf trägt, wie stark der Unterdruck in einem vakuumierten Wäschesack wirklich ist und ob es möglich ist, zwei kleine Magdeburger Halbkugeln durch Tauziehen auseinander zu bekommen. Sie konnten ihre Kraft an einer Vakuum-Handpumpe messen und entschlüsselten den rätselhaften Kerzenfahrstuhl im Wasserglas.

Vielleicht ist der eine oder andere um einige Erkenntnisse reicher. Luft verblüfft und kann viel mehr, als wir in unserem Alltag ahnen. Und der Erkenntnisprozess dorthin war ein langer wissenschaftlicher Weg, den Otto uns geebnet hat.

Anne Bernhardt